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Brigitte Seibold

Blog

17 Jan

MAL SCHNELL GEZEICHNET…?

Hahn

Die Geschichte vom Kaiser, der eine Zeichnung von einem Hahn haben wollte

Können Sie uns “mal schnell was zeichnen…?“ Das werde ich immer wieder von Kunden gefragt. Dabei geht es zum Beispiel um die Präsentation der neuen Unternehmensstrategie oder um die Darstellung eines komplexen Beratungsprozesses. „Es darf gerne auch ganz locker aussehen.“ Bei komplexen Themen ist das mit dem „mal schnell“ und dem „locker“ so eine Sache….

 

Auch wenn eine Visualisierung im Endergebnis so aussieht, als ob sie mit großer Leichtigkeit aus dem Handgelenk geschüttelt wurde, vielleicht sogar mit ein paar reduzierten Strichen auskommt, steckt meist trotzdem ein konzentrierter Arbeitsprozess dahinter. Ideen werden entwickelt und wieder verworfen. Alternativen ausprobiert, es wird korrigiert, ergänzt, erweitert, nochmals ganz neu begonnen, so lange bis es wirklich stimmt.

Dieses Thema ist ganz alt. Schon der Kaiser von China hatte damit zu tun. Deswegen hier also…

Die Geschichte vom Kaiser, der eine Zeichnung von einem
Hahn haben wollte

Der Kaiser von China hörte von einem großen Maler. Er ließ ihn kommen und befahl ihm, einen Hahn zu zeichnen, denn der Kaiser liebte Hähne über alles.
Der Künstler ließ über ein Jahr nichts von sich hören. Da schickte der Kaiser nach ihm, seine Gesandten aber wurden vertröstet. Es ginge noch einige Zeit, ließ der Künstler ausrichten. So geschah es auch im zweiten Jahr. Nach drei Jahren aber verlor der Kaiser die Geduld und erschien mit seinem Tross vor dem Haus des Künstlers.
Der Maler führte ihn sogleich hinein, nahm vor den Augen des Kaisers ein großes Blatt und zeichnete mit wenigen kühnen Strichen einen prachtvollen Hahn.
Der Kaiser war begeistert, doch zugleich entrüstete er sich. „Warum lässt du mich drei Jahre warten, wo du doch in wenigen Augenblicken einen Hahn auf das Papier wirfst?“, fragte er zornig. Ohne ein Wort führte ihn der Maler in einen großen Raum, der voll hing mit Skizzen von Flügeln, Schnäbeln und Köpfen von Hähnen. In einem zweiten Raum fanden sich Hunderte von Skizzen mit Hähnen, und in einem dritten Raum waren die Wände voll von Zeichnungen mit Hähnen, die auf dem Mist kratzten, mit Nebenbuhlern kämpften, Körner pickten oder den Morgen mit ihrem Krähen ankündigten. Hähne in jeder Bewegung und in jeder Position.
„Siehst du“, sagte der Maler, „die Zeichnung, die dir so mühelos hingeworfen schien, hat mich drei Jahre harte Arbeit gekostet. Wie hätte ich sonst in wenigen Augenblicken einen Hahn zeichnen können?“

Hahn